Schülerinnen und Schüler in Schkeuditz sammeln Spenden für vier neue Stolpersteine

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Pressemitteilung des Erich-Zeigner-Haus e.V.

Seit Beginn des Schuljahres 2017/18 recherchieren 14 Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse des Schkeuditzer Gymnasiums zu vier jüdischen Personen aus Schkeuditz, die in der NS-Zeit verfolgt, verhaftet und ermordet wurden. Für die dreiköpfige Familie Engelberg aus der heutigen Merseburger Straße 11 und Osias Krumholz aus der Waldstraße 13 werden am 20. Juni 2018 um 11.00 Uhr bzw. 11.30 Uhr vier neue Stolpersteine gelegt.


Die Schülerinnen und Schüler konnten bereits die Inschriften für die Gedenksteine erstellen und an den Kölner Künstler und Initiator der Stolpersteine, Gunter Demnig, zur Verarbeitung zu senden. Da sich Stolpersteine ausschließlich durch Spenden finanzieren, veranstalteten die Zwölftklässler ebenfalls bereits einen Spendenbasar in ihrer Schule. Am 12. April werden sie mit ihrem selbst erstellten Informationsflyer im Schkeuditzer Stadtgebiet Spenden sammeln sowie das Projekt in die Öffentlichkeit tragen. Der wohl wichtigste Anlaufpunkt bei dieser Spendensammlung wird die Merseburgerstraße und die Waldstraße selbst sein, da dies die Orte sind, wo die Opfer einst lebten und die Verbrechen durch das Regime begannen – hier werden im Sommer auch die Stolpersteine verlegt. Am 14. Juni, wenige Tage vor der Verlegung, werden die Schüler anhand des Flyers ihr Projekt und ihre Rechercheergebnisse auch dem Stadtrat vorstellen.


Die Schülerinnen und Schüler fanden in Archivarbeit unter der inhaltlichen Begleitung des Erich-Zeigner-Haus e.V. unter anderem heraus, dass Osias Krumholz 1891 in Uscieriky (ehemals Galizien) geboren wurde. Er lebte später in Schkeuditz, wo er als Kaufmann tätig war. Im Juli 1939 wurde er verhaftet und kam wenige Monate am 10. Oktober in das Konzentrationslager Buchenwald, ein Jahr später wurde er nach Dachau „verlegt“ und kam am 12.07.1941 wieder nach Buchenwald. Am 11.03.1942 wurde Krumholz in die NS-Tötungsanstalt Bernburg deportiert. Dieses „Verlegedatum“ stellt zugleich auch das Todesdatum Osias Krumholz‘ dar, in Unterlagen der Zeit wird lediglich ein zeitlich etwas späteres Datum angegeben, um zu verschleiern, dass es sich bei der sogenannten „Landes-Heil und Pflegeanstalt Bernburg“ auch um eine Tötungsanstalt im Rahmen der Aktion T4 handelte, berichtet Projektleiter und Geschäftsführer des Vereins Henry Lewkowitz.

Über die Mitglieder der jüdischen Familie Engelberg konnten die Schülerinnen und Schüler herausfinden, dass Heinrich Engelberg, der Familienvater 1878 in Gorlice geboren wurde. Seine Frau Nathalia Engelberg, geborene Gutmann, wurde 1877 in Breslau geboren. Aus der Ehe ging mindestens eine Tochter hervor, welche 1906 in Schkeuditz geboren wurde. Hildegard Engelberg wurde 1943 nach Auschwitz deportiert und umgebracht, während ihre Eltern bereits 1938 verhaftet und 1942 in Auschwitz ermordet wurden.


Der neue Oberbürgermeister von Schkeuditz, Rayk Bergner, sicherte der Projektgruppe bereits zu, an der Verlegung teilzunehmen und die Schüler mit einem Redebeitrag zu ihrem kulturellen Rahmenprogramm zu unterstützen.


Für die noch fehlende Finanzierung über 2 Stolpersteine bittet der Verein um Spenden.


Das Spendenkonto des Vereins lautet:


Erich-Zeigner-Haus e.V.
IBAN: DE 94 860 555 92 11 002 798 96
Verwendungszweck: Stolpersteine Schkeuditz



Unterstützt wird dieses Projekt auch von der F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz. Es wird ferner gefördert im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie in Nordsachsen“ und damit vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ sowie vom Freistaat Sachsen und durch den Landkreis Nordsachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

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