Schüler recherchieren weiter

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Viertes Stolpersteinprojekt des Gymnasiums Schkeuditz in Folge beginnt mit dem neuen Schuljahr

Pressemitteilung des Erich-Zeigner-Haus e.V.:

Wer durch Schkeuditz läuft, der stolpert bereits über die Schicksale der verfolgten, jüdischen Familie Goldberger, über den Lebensweg des Kommunisten Kurt Beyers und über die Geschichte der Sinti Familie Laubinger/Steinbach. Alle zehn Erinnerungssteine wurden durch Schülerinnen und Schüler des Schkeuditzer Gymnasiums in Zusammenarbeit mit dem Erich-Zeigner-Haus e.V. verlegt, nachdem für die Inschriften über jede einzelne Person eine umfangreiche Recherche vorausging. Stolpersteine gedenken allen Menschen, die in der NS-Diktatur deportiert, ermordet, vertrieben oder in den Suizid getrieben worden sind. So erinnern die Stolpersteine in der Landwehrstraße, in der Waldstraße und vor der Albanuskirche bereits an drei unterschiedliche Opfergruppen der Verfolgungsprozesse im NS-Regime. Vier weitere Stolpersteine sollen nun im kommenden Jahr hinzukommen.

So recherchieren aktuell 15 Schülerinnen und Schüler des Gymnasium Schkeuditz in der Regel aller 14 Tage außerschulisch zum Schicksal von insgesamt vier Personen. Zum einen wird die Projektgruppe der zwölften Klasse intensiv das Schicksal des Juden Osias Krumholz erforschen. Wie die Projektgruppe bisher u.a. durch Recherchen im Schkeuditzer Stadtmuseum und dem Staatsarchiv Merseburg herausfand, war der am 08.12.1891 in Uscieriky (ehemals Galizien) geborene, spätere Kaufmann Osias Krumholz einer von 6 Geschwistern des Vaters und Holzindustriellen Moses Krumholz. Zuletzt wohnhaft war Osias Krumholz in der Waldstraße 13, wo die Verfolgung durch die Gestapo begann. Am 20.07.1939 wurde er aufgrund seines jüdischen Bekenntnisses durch die Gestapo verhaftet und am 29.08.1939 über ihn die sogenannte „Schutzhaft“ verhängt. Anschließend wurde er am 10.10.1939 in das Konzentrationslager Buchenwald interniert und mit der Häftlingsnummer 8245 registriert. Es folgte die Internierung in Dachau am 24.10.1940, von wo er am 12.07.1941 zurück nach Buchenwald deportiert wurde, nachdem an ihm medizinische Experimente durchgeführt worden sind. Die genauen Hintergründe werden gerade von den Jugendlichen verifiziert. Aus Buchenwald wurde Osias Krumholz am 11.03.1942 in die NS-Tötungsanstalt Bernburg letztlich deportiert, wo er am 4. April 1942 ermordet worden ist. In der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Bernburg wurden insgesamt über 14.000 Menschen getötet.

Desweiteren forschen die Schülerinnen und Schüler zum Schicksal der jüdischen Familie Engelberg, bestehend aus Nathalie Engelberg, geborene Gutmann, ihrem Ehemann Heinrich Engelberg und der gemeinsamen Tochter Hildegard Engelberg, die zuletzt in der Merseburger Straße 5 in Schkeuditz wohnten. Die Recherchen stehen noch am Anfang, durch Dokumente aus dem Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen ist aber bereits bekannt, dass alle Mitglieder der Familie ihr Leben im Konzentrationslager Auschwitz verloren.

Wie in den vergangenen Projekten werden die Schülerinnen und Schüler die noch fehlenden Informationen selbstständig unter der inhaltlichen Begleitung von der betreuenden Lehrerin Claudia Rohr und Henry Lewkowitz, dem Projektleiter und Geschäftsführer des Erich-Zeigner-Haus e.V., recherchieren: „Durch das historische Lernen anhand der Auseinandersetzung mit konkreten Schicksalen entwickeln sich die Schülerinnen und Schülern selbst zu „Zeit-Zeugen“, können sich besser in die Geschichte hineinversetzen als durch bloße theoretische Beschäftigung mit dem NS-Regime und erkennen daher die Notwendigkeit und die politische Bedeutung von Erinnerungskultur in der Gegenwart“ so Lewkowitz.

Geplant ist in den kommenden Monaten, dass die Schülerinnen und Schüler eine Biografie zu Osias Krumholz und der Familie Engelberg erstellen. Mit dem selbst erarbeiteten Informationsflyer wollen sie dann die Öffentlichkeit informieren und erneut Spenden sammeln gehen, da Stolpersteine ausschließlich durch Spenden finanziert werden.

Unterstützt wird dieses Projekt auch von der F.C. Flick Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz. Es wird ferner erstmals gefördert im Rahmen der „Partnerschaft für Demokratie in Nordsachsen und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" sowie vom Freistaat Sachsen und durch den Landkreis Nordsachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.“

Bis zur geplanten Verlegung der Stolpersteine im Juni 2018 steht den Projektteilnehmern noch viel Arbeit, aber auch eine spannende und lehrreiche Zeit bevor.

Kontakt und weitere Informationen: Erich-Zeigner-Haus e.V.

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