Rückblick auf die U18-Wahl in Nordsachsen

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Eine Woche vor der „echten“ Bundestagswahl fand am 15. September in ganz Deutschland die so genannte U18-Wahl statt. Diese Probewahl, an der sich alle Unter-18-Jährigen beteiligen konnten, lieferte kurz vor der Erwachsenen-Wahl am 23. September ein politisches Stimmungsbild der Kinder und Jugendlichen in Deutschland.

In Nordsachsen gab es immerhin 13 U18-Wahllokale in Schkeuditz, Delitzsch, Taucha, Eilenburg, Bad Düben, Oschatz und Mügeln. Insgesamt haben hier 1.927 Kinder und Jugendliche an der Wahl teilgenommen. Der Landkreis liegt damit an der Spitze aller sächsischen Wahlkreise, knapp vor Dresden II und Chemnitz. Die Sächsische Landjugend als Landeskoordinierungsstelle hat hier die Ergebnisse der U18-Wahl veröffentlicht (Zweitstimme). Und hier die Wahlkreis-Ergebnisse für die Direktkandidat_innen (Erststimme).

Bei den Direktkandidat_innen lautet das Ergebnis für Nordsachsen so:

  • Marian Wendt (CDU): 32,4 %
  • Detlev Spangenberg (AfD): 24,4 %
  • Rüdiger Kleinke (SPD): 19,1 %
  • Susanna Karawanskij (Linke): 17,0 %
  • Jörg Bornack (Grüne): 3,8 %
  • Christoph Waitz (FDP): 3,4 %

Bei den Zweitstimmen für die Parteien sieht es in Nordsachsen so aus:

  • CDU: 24,2 %
  • AfD: 18,0 %
  • SPD: 17,4 %
  • Grüne: 10,2 %
  • FDP: 8,0 %
  • Linke: 7,1 %
  • Sonstige (Tierschutzpartei, Piraten, Die Partei, NPD u.a.): 15,1 %

Zu beachten ist, dass diese Zahlen nicht repräsentativ für "die Jugend" sind, da es nicht überall Wahllokale gab und die Beteiligung weitaus geringer ist als bei der "echten" Wahl. Bezogen auf alle Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren lag die "Wahlbeteiligung" in ganz Sachsen bei 2,24 Prozent, bezogen auf die 14-17-Jährigen bei rund 10 Prozent. Zum Vergleich: bei der Bundestagswahl 2013 betrug die Wahlbeteiligung in Sachsen knapp 70 Prozent.

Die Partnerschaft für Demokratie hat die Landjugend als regionaler Kooperationspartner für Nordsachsen unterstützt, Kontakte vermittelt und über den Aktionsfonds ein Wahlforum in Oschatz gefördert. Auch in Delitzsch gab es vielfältige Aktivitäten. Davon berichtet Steven Scholz vom Jugendcafé „Quo Vadis“ bei www.nixlos.de:

U 18 Wahl 2017 – so war's!

Ein Resümee von Steven Scholz.

„Wählen ist für alte Säcke!“ oder „Was juckt mich das mit der Wahl?“ hörte man am Anfang häufig. Aber die Bundestagswahlen haben sehr eindeutig gezeigt: Die Wahlen jucken jeden. Und die U-18-Wahl hat mir gezeigt, dass die Kinder und Jugendlichen mit ein wenig Engagement sich politisch interessieren können. Dabei haben wir im Jugendcafé „Quo Vadis“ auf das komplizierte und kleingedruckte Material seitens der Organisatoren verzichtet und „Basisarbeit“ geleistet, wie sie im Politikbetrieb genannt wird.

Das klingt abgehoben, ist aber relativ simpel: ein Plakat mit kurzen prägnanten Schlagwörtern, dazu Bilder der Spitzenkandidaten, das Abspielen der Wahlwerbespots zur BTW 2017, eine Präsentation, die nochmal auf die U18 hinweist und das Wählen erklärt, sowie das Wichtigste in der gesamten Vorbereitung: Reden. Einzelgespräche, Gruppengespräche oder jedes Gespräch zwischen Tür und Angel, alle waren wichtig und wir wollten die Kinder und Jugendlichen für die ganze Sache sensibilisieren. Dabei war es uns immer wichtig, neutral zu bleiben und die Kinder dazu zu bringen, kritisch mit jeder Partei und deren Programmen umzugehen. Ziel unserer Arbeit war, das Gefühl, dass Politik nichts mehr mit dem Menschen zu tun hat, gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Die Vorbereitung mit der U-18-Wahl war dafür ein guter Startpunkt, aber es war eben erst der Startpunkt, denn die politische Bildung bei Kindern und Jugendlichen ist nicht nur kurz vor Wahlen, sondern immer wichtig. Der 15.09.17 war zu Beginn ein ganz normaler ruhiger Freitag, aber nach und nach kamen immer mehr junge Wählerinnen und Wähler und gaben bei uns ihre Stimmen ab. Der Großteil der Stammbesucher unseres Cafés hatten schon in der Schule gewählt, und so nutzten besonders Schüler des Gymnasiums und jüngere Cafébesucher das Wahllokal „Quo Vadis“. Unser Material wurde von Unentschlossenen noch einmal vor dem Urnengang angeschaut und es gab kurze Gespräche über die Wahlen und die Parteien. Ob schon gewählt oder erstmals dabei, das Thema Politik war sichtlich das Thema des Tages und es war schön zu sehen, wie gut die Vorbereitungen gewirkt haben.

Das Highlight des Freitags war ganz klar die Wahlparty im YOZ, zusammen mit der Wahlhelferin des „Quo Vadis“ Alexandra und den anderen Wahlhelfern der Wahllokale in Delitzsch haben wir dort die Urnen ausgezählt und feierlich die Ergebnisse bekanntgegeben. Der 15.09.17 hat allen Beteiligten gezeigt, dass die Kinder und Jugendlichen in Nordsachsen sich politisch interessieren und sich auch politisch engagieren wollen. Für mich ganz persönlich waren es spannende und lehrreiche zwei Wochen Vorbereitung für diese U-18-Wahl, und mit den Ergebnissen der Bundestagswahlen im Hinterkopf war es erst der Anfang eines Weges, der sich meiner Meinung nach lohnt, bestritten zu werden.

Politik juckt jeden und politische Bildung und Arbeit sind wichtig, sowohl für meine jetzige Arbeit in der Ausbildung, als auch in der zukünftigen Arbeit als Pädagoge. Die Kinder und Jugendlichen sind unsere Zukunft und es sollte im Interesse aller liegen, dass sie sich für Politik interessieren, sich politisch engagieren, und das ist ganz besonders wichtig, ihre eigene Meinung zu aktuellen Themen und Problemen äußern und diese auch in die Debatten einbringen können. Das Gespräch am Billardtisch ist wichtiger, als jede Talkshow oder ein langer Zeitungsartikel, denn sie ist das einfachste und beste Mittel gegen Politikverdrossenheit.

Die LVZ Delitzsch-Eilenburg berichtete bereits am 19.09.2017 über die U18-Wahl in ihrem Gebiet: "U18-Wahl soll künftig fester Bestandteil in Delitzsch werden". Auch die Oschatzer Allgemeine Zeitung ("Bundestagswahl: CDU holt bei Jugendlichen in Oschatz die meisten Stimme") und die Torgauer Zeitung ("AfD bei Jugend zweitstärkste Kraft") haben das Thema beleuchtet.

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