Rückblick auf die Demokratiekonferenz 2016

in Aktuelles

Vernetzung und Austausch zum Thema bürgerschaftliches Engagement

Über 60 Vertreter_innen von Vereinen, Schulen, Kommunen, Ämtern, Polizei und Gewerkschaften konnte Nordsachsens Landrat Kai Emanuel am 20. September im Bürgerhaus Eilenburg zur diesjährigen Demokratiekonferenz der Partnerschaft für Demokratie begrüßen. Nach einem weiteren Grußwort von Eilenburgs Oberbürgermeister Ralf Scheler folgten zunächst zwei Vorträge. Eva Eggers vom Team der aktuellen „Mitte-Studie“ der Universität Leipzig informierte über „Rechtsextreme Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft“ und die Entwicklung demokratischer sowie anti-demokratischer Milieus. Dr. Ansgar Klein vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement referierte zum Thema „Nachhaltige Infrastruktur für die Zivilgesellschaft“ und gab einen Überblick zu laufenden bundespolitischen Debatten im Feld der Engagement- und Demokratiepolitik.

Anschließend wurde die Thematik „Demokratie(arbeit) und bürgerschaftliches Engagement“ in vier Arbeitsgruppen vertieft. Ein Workshop musste aufgrund der Erkrankung der Referentin ausfallen. Zum Thema „Innovative Beteiligungsinstrumente in Kommunen und Gemeinwesen“ gab es einen Input von Arno Jesse, Bürgermeister der Stadt Brandis („Innovationskommune Sachsen 2014-2016“). Jennifer Meyer und Leila Schilow von der Courage-Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit e.V. aus Leipzig informierten über die Projektarbeit an Schulen, Robert Arendt vom Landessportbund Sachsen über die Unterstützung von Demokratieprojekten in Sportvereinen. Steven Hummel und Marco Schott vom Verein Engagierte Wissenschaft e.V. aus Leipzig stellten erste Ergebnisse einer Studie zur ehrenamtlichen Unterstützung von Asylsuchenden in Nordsachsen vor.

Am Rande der Konferenz stellten sich weitere Initiativen wie der Freundeskreis Schloss Hubertusburg oder der Verein Schweizerhaus Püchau vor, die sich im Rahmen der Partnerschaft für Demokratie engagieren.

Am Ende dieser Seite finden Sie die Dokumentation der Veranstaltung sowie vier Präsentionen von Dr. Ansgar Klein, Eva Eggers, Arno Jesse und Steven Hummel/Marco Schott (Engagierte Wissenschaft e.V.).

Die LVZ Delitzsch-Eilenburg hat am 22.09.2016 über die Veranstaltung berichtet:

Nordsachsen vernetzt sich für Demokratie

Vertreter von Ämtern, Vereinen, Kommunen und Polizei bei Konferenz im Eilenburger Bürgerhaus

VON HEIKE LIESAUS

Eilenburg. Im Einsatz für Toleranz, Vielfalt und demokratische Kultur in Nordsachsen ist die Partnerschaft für Demokratie. Sie hatte nun zur Konferenz eingeladen, diesmal im Saal des Eilenburger Bürgerhauses. Die Organisatoren konnten sich dabei über mehr Teilnehmer freuen als beim ersten Treff dieser Art im Juni vorigen Jahres: Etwa 60 Gäste und Referenten waren diesmal gekommen.

Fördergelder für Initiativen

„Nicht allein Vereine, sondern auch Polizei, Bürgermeister, Vertreter verschiedener Ämter und des DGB“ hatte Uta Przikopp von der Fachstelle Demokratie und Vielfalt des Landratsamtes unter den Teilnehmern ausgemacht. Eines der Ziele der Veranstaltung: Vernetzung. Es ging aber auch darum, Möglichkeiten aufzuzeigen und Mittel an die Basis zu bringen, die über die Programme des Bundes und des Landes – „Demokratie leben“ und „Weltoffenes Sachsen“ – zur Verfügung gestellt werden. „Wir konnten für dieses Jahr alle Projektmittel binden. Damit wird kontinuierliche Arbeit möglich“, so Przikopp. 64 000 Euro standen in diesem Projektfonds zur Verfügung. Kleinprojekte können noch über den „Aktionsfonds“ mit bis zu 800 Euro gefördert werden. „Zehn Aktionen liefen bereits. Weitere Anträge sind da und können auch noch gestellt werden“, informierte Frank Schubert vom Netzwerk für Demokratische Kultur. Außerdem gab es 6000 Euro im Fonds für Jugendbeteiligung.

Landrat Kai Emanuel (CDU) warb dafür, die Kontakte zur Demokratie-Fachstelle in seinem Haus und zur Koordinierungsstelle der Partnerschaft für Demokratie Nordsachsen zu nutzen. „Wir konnten auf bestehende Bürgerbündnisse bei der Arbeit mit Asylsuchenden zurückgreifen“, erklärte er. Auch vor der Partnerschaft für Demokratie hatte es bereits den „Lokalen Aktionsplan“ gegeben, der sich ähnlich gegen menschen- und demokratiefeindliche Tendenzen wie Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus einsetzte.

Jugendbeteiligung besonders wichtig

So geht und ging es in diesem Rahmen besonders um die Jugendbeteiligung. Immerhin existieren in Taucha, Eilenburg und Oschatz Stadtjugendräte und es gibt den Kreisschülerrat, zählte Emanuel für Nordsachsen auf. Wenn es auch schwer sei, Jugendliche dafür bei der Stange zu halten, räumte Uta Przikopp später im Gespräch ein. Ein Auf und Ab sei da nur natürlich.

Eilenburgs Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos) erinnerte in seiner Ansprache an einen Minister, der ihm einmal gesagt habe: „Demokratie ist nervig und sie ist teuer, aber es ist die beste Form der möglichen Beteiligung.“ Dennoch gebe es Defizite, gerade auf Europa-Ebene: Menschen werden nicht mitgenommen, Politik kann nicht verständlich gemacht werden.

Vorurteile nehmen zu

Immerhin wird Politik für Bürger wiederum oft verständlicher, wenn sich diese engagieren, das machte der Vortrag von Ansgar Klein vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement deutlich. Ein Gesetzentwurf, um die entsprechende Infrastruktur kontinuierlich zu unterstützen, sei jedoch noch auf dem Weg durch die Instanzen.

Den rechtsextremen Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft war Psychologin Eva Eggers von der Uni Leipzig in ihrem Vortrag über die deutschlandweite Studie „Die enthemmte Mitte“ auf der Spur. Überraschend: Die Zahl der Menschen mit einem geschlossenen rechtsextremen Weltbild hat in den vergangenen Jahren in Deutschland eher abgenommen, die Vorurteile gegenüber bestimmten Ethnien haben jedoch zugenommen. Die Haltungen in den verschiedenen Milieus drifteten auseinander und Gruppen mit extremen Einstellungen sehen Gewalt nun eher als Mittel der Wahl an.

In Nordsachsen haben indessen Steven Hummel und Marco Schott vom Verein Engagierte Wissenschaft zehn ehrenamtliche Unterstützer von Asylsuchenden zu ihren Erfahrungen befragt. Probleme sahen diese vor allem in der Überlastung der Flüchtlingssozialarbeiter, so dass die Ehrenamtlichen auch für deren Aufgaben einsprangen, zum Beispiel die Anmeldung in Kitas bewerkstelligten. Bei der Kommunikation mit der Verwaltung war es schwierig, die richtigen Ansprechpartner zu finden. In der Arbeit mit den Flüchtlingen war natürlich die Sprache eine Hürde, auf den Behörden sind keine Übersetzer verfügbar. „Spannend war, dass sich oft engere Beziehungen, Freundschaften entwickelten“, erzählte Marco Schott. Unter den Stichworten Weiterbildung, Aufbau von Dolmetscher-Kursen und einfachere Abläufe in der Verwaltung, wurden Lösungsvorschläge für die Probleme gemacht. Dazu gehörte auch der stärkere Austausch der Helfer untereinander. So soll es am 22. Oktober ein Treffen der Willkommens-Initiativen geben.

Hubertusburger Friedensgespräche

Eine der Veranstaltungen, die ohne Mittel aus den Demokratieprogrammen nicht stattfinden könnte, steht ebenfalls in einigen Wochen an: Die 6. Hubertusburger Friedensgespräche und die Verleihung des 4. Hubertusburger Jugend-Friedenspreises finden am 21. und 22. Oktober dort statt, wo 1763 das Ende des Siebenjährigen Krieges besiegelt wurde. Das Thema: Religion und Frieden.

www.demokratie-nordsachsen.de

 

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