Rückblick auf die 3. Demokratiekonferenz

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„Demokratie ist nicht wie Marmelade, man muss sie täglich neu kochen.“ – Dies ist nur eine von vielen auf Karten festgehaltenen  Erkenntnissen der diesjährigen Demokratiekonferenz am 19. September in Eilenburg. Die Organisator_innen - die externe Koordinierungs- und Fachstelle der Partnerschaft für Demokratie in Nordsachsen (PfD) in Trägerschaft des Netzwerks für Demokratische Kultur e.V. (NDK) und das federführende Amt der Partnerschaft beim Jugendamt des Landkreis - hatten sich diesmal für ein weitgehend offenes Format ohne vorgegebene Themen und lange Vorträge entschieden. Statt dessen gab es nach der Begrüßung durch die Sozialdezernentin des Landkreises, Heike Schmidt, und den Eilenburger Jugendberater Torsten Pötzsch zur Auflockerung erst mal Improvisationstheater von Larsen Sechert (Knalltheater) und Susanne Bolf (Theaterturbine) aus Leipzig. Die gespielten Szenen der beiden waren eine gute Vorlage für die anschließende Diskussion.

Die über 30 Teilnehmer_innen aus Verwaltung und Zivilgesellschaft tauschten sich dabei intensiv über Themen wie Vielfalt, Gleichstellung, Mitbestimmung, Erinnerungskultur und Jugendbeteiligung aus. All diese Themen spielen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ eine große Rolle (neben dem negativen Fokus auf die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit.) Doch was ist damit eigentlich genau gemeint? Was wird davon in Nordsachsen schon gelebt und umgesetzt? Wo gibt es noch Handlungs- und Unterstützungsbedarf? Die Gespräche dazu an fünf (eckigen) Tischen, zwischen denen gewechselt werden konnte, wurden von mehreren Mitarbeiter_innen des NDK sowie Solvejg Höppner vom Mobilen Beratungsteam (MBT) des Kulturbüro Sachsen e.V. moderiert.

Am Rande wurde über die im Rahmen der Partnerschaft durchgeführten Projekte und die Ergebnisse der U18-Wahl in Nordsachsen informiert.

Die Veranstaltung wurde gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" sowie vom Freistaat Sachsen und durch den Landkreis Nordsachsen. Die Partnerschaft für Demokratie in Nordsachsen wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes.

 

So berichtete die LVZ Delitzsch-Eilenburg am 22.09.2017 über die Veranstaltung:

Demokratie mit Knalltheater

Vereine und Initiativen tauschen Erfahrungen aus

Von Heike Liesaus

Eilenburg. Der Zierkürbis am Ohr wird zum Telefon, mit dem sich der besorgte Vater in der Schule meldet – das Leipziger Knalltheater lieferte die Einstimmung für die Konferenz der Partnerschaft für Demokratie im Saal des Eilenburger Bürgerhauses. Im Hintergrund eine Tafel, auf der auch steht, wie die symbolische U-18-Wahl im Landkreis Nordsachsen ausgegangen ist: CDU 24,2 Prozent, AfD 18, SPD 17,2, Grüne 10,2, FDP 8 und Linke 7,1 Prozent. Auf dem Parkett liegen Zettel mit kurzen Gedanken zum Thema, die die Teilnehmer aufgeschrieben haben. Daraus und mit Stichworten aus dem Publikum machen Susan Bolf und Larsen Sechert vom Knalltheater kleine, aberwitzige Szenen mit einer Grünen-Bürgermeisterin bei der Wahlparty, einem Minderjährigen namens Schnuffi, der Vorlieben fürs Bier und Fallschirmspringen hat. Gedankliche Auflockerung. Schließlich geht es bei der Konferenz darum, die verschiedenen Protagonisten der Partnerschaft in Kontakt zu bringen.

Zu den Partnern gehören das Jugendamt des Landkreises ebenso wie Sportvereine, Kirchen, Bürgerinitiativen, Jugendmigrationsdienst, aber auch das Jobcenter und viele mehr. Wer weiß schon immer in Delitzsch, was in Oschatz am anderen Ende des Landkreises läuft? Deshalb gibt es einzelne Tische, an denen später je nach Interesse über verschiedene Themen gesprochen wird: Vielfalt, Gleichstellung, Mitbestimmung, Jugendbeteiligung und Erinnerung. „Wir haben diesmal eine andere Methode gewählt, um die Akteure zusammenzubringen“, so Uta Przikopp von der Fachstelle Demokratie und Vielfalt des Landratsamtes. Ein Konzept, das ankommt: „Es ist spannend, so viele verschiedene Leute zu treffen und zu erkennen, dass sie ganz ähnlich denken. Das ist im Alltag, auch wenn man sich ganz gut versteht, nicht so. Und es gibt Sachen, an denen man sich ein Vorbild nehmen kann“, fasst zum Beispiel Katharina Mittmann, die das Shalom-Begegnungszentrum der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde in Delitzsch leitet, für sich zusammen.

„Es war zu erfahren, welche Vielfalt an Projekten im Landkreis existiert“, stellt Torsten Pötzsch, der als Jugendberater in Eilenburg einen der kürzesten Wege hatte, fest: „Auf den ersten Blick ist nicht immer zu sehen, wo die Anteile sind. Was hat zum Beispiel das Projekt Eilenburger Skaterbahn, das nun im kommenden Jahr Realität werden soll, mit Demokratie zu tun?“ Tatsächlich gehe es dabei um die Initiative des Schülerstadtrates, um Entscheidungsprozesse, um die Fragen, wer da mitzureden hat und wie alles finanziert wird. Auch die Kinderstadt, in der sich in einer Ferienwoche Kinder ihre eigene Kommune aufbauen, sei nicht allein Ferienlager, sondern, weil alle Entscheidungen von den Kindern selbst gemeinsam getroffen werden, auch eine Schule in Sachen Demokratie.

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